An einem sonnigen Sommertag wird es in einem geschlossenen Gewächshaus schnell viel heißer als draußen. Was im Frühjahr ein Vorteil ist, wird im Juli zum Problem. Tomaten bilden bei großer Hitze weniger Früchte, Blätter verbrennen, und in feuchter, stehender Luft wachsen Pilze. Lüften ist darum genauso wichtig wie Gießen.
Warum ein Gewächshaus überhitzt
Sonnenlicht dringt durch Glas oder Platten und erwärmt Boden, Pflanzen und Luft. Die Wärme kommt aber nicht so leicht wieder hinaus. Ohne Lüftung staut sich die heiße Luft unter dem Dach. Dazu kommt die Feuchtigkeit aus der Erde und den Blättern. Das Ergebnis ist ein heißes, schwüles Klima, das Pflanzen stresst.
Dachfenster: das wichtigste Werkzeug
Warme Luft steigt nach oben. Ein Fenster im Dach lässt sie entweichen, und kühlere Luft strömt durch Tür oder Seitenfenster nach. So entsteht ein natürlicher Luftzug.
- Anzahl: Ein einziges Dachfenster reicht für kleine Häuser, bei 5 m² und mehr solltest du zwei oder mehr haben. Eine oft genannte Faustregel: Die Fensterfläche sollte etwa ein Sechstel der Grundfläche betragen.
- Kombination: Dachfenster plus Seitenfenster oder geöffnete Tür sorgen für Durchzug.
- Beispiel: Das Gardebruk 380x190 hat laut den meisten Angaben vier klappbare Dachfenster. Viele Häuser in der gleichen Größe haben nur eins oder zwei.
In unserem Score bekommt ein Haus ab drei Fenstern die volle Punktzahl für Lüftung.
Foliengewächshäuser
Foliengewächshäuser haben meist kein Dachfenster, dafür aufrollbare Seitenfenster und Türen. Das BRAST Foliengewächshaus 300x200 hat laut Hersteller sechs aufrollbare Fenster mit Mückennetz und aufrollbare Seitenwände. Im Sommer kannst du so fast die ganze Seite öffnen.
Automatische Fensteröffner
Du kannst nicht jeden Morgen um acht Uhr die Fenster öffnen, bevor du zur Arbeit fährst. Ein automatischer Fensteröffner nimmt dir das ab, ganz ohne Strom.
So funktioniert der Wachszylinder
Im Öffner steckt ein Zylinder mit einem speziellen Wachs. Wird es warm, dehnt sich das Wachs aus und drückt einen Kolben heraus. Der Kolben hebt das Fenster an. Wird es kühler, zieht sich das Wachs zusammen, und eine Feder zieht das Fenster wieder zu.
- Kein Strom, keine Batterie: Der Öffner arbeitet allein mit der Wärme.
- Einstellbar: Bei den meisten Modellen stellst du ein, ab welcher Temperatur das Fenster aufgeht.
- Zeitverzug: Das Wachs reagiert langsam. Bei plötzlicher Sonne dauert es ein paar Minuten, bis das Fenster offen ist.
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Gewicht des Fensters: Jeder Öffner hebt nur bis zu einem bestimmten Gewicht. Glasfenster sind schwerer als Fenster mit Platten. Prüfe die Angabe im Datenblatt.
- Passend zum Haus: Viele Hersteller bieten eigene Öffner an, zum Beispiel GFP für 29,90 € laut Herstellerseite.
- Wind: Bei Sturm kann ein offenes Fenster abreißen. Eine Windsicherung oder eine Kette als Begrenzung hilft.
Bei manchen Häusern ist der Öffner schon dabei. Das GFP Opal 4 wird auf Amazon.de als Set mit automatischem Fensteröffner angeboten, beim Juwel Frühbeet Biostar 1500 öffnet ein Fensterautomat das mittlere Fenster. Passende Öffner zum Nachrüsten findest du unter Zubehör: Fensteröffner.
Schatten: Schattiernetz und Schattierfarbe
Lüften allein reicht im Hochsommer oft nicht. Dann musst du verhindern, dass zu viel Sonne überhaupt ins Haus kommt.
Schattiernetz
Ein Schattiernetz hält einen Teil des Sonnenlichts ab. Am besten wirkt es außen auf dem Dach, weil die Wärme dann gar nicht erst durch die Scheibe kommt. Innen gespannt hilft es auch, aber weniger.
- Nur auf die Südseite und das Dach, dort ist die Sonne am stärksten.
- Abnehmbar: Im Frühjahr und Herbst brauchen die Pflanzen jedes bisschen Licht.
Schattierfarbe
Eine spezielle Kalkfarbe für Gewächshäuser streichst du außen auf die Scheiben. Sie wird bei Regen nach und nach abgewaschen. Vorsicht bei Hohlkammerplatten: Prüfe, ob die Farbe dafür geeignet ist.
Glashäuser brauchen mehr Schatten als Häuser mit Hohlkammerplatten, weil Glas das Licht nicht streut. Schattiernetze und Thermometer findest du unter Zubehör: Thermometer und Schatten.
Weitere Tipps gegen Überhitzung
- Tür auf: An heißen Tagen die Tür ganz öffnen, eventuell mit Insektenschutz.
- Boden befeuchten: Wasser auf dem Weg verdunstet und kühlt. Aber nur morgens, damit es bis abends trocken ist.
- Thermometer: Ein Min-Max-Thermometer zeigt dir, wie heiß es mittags wirklich wird.
- Ventilator: In großen Häusern mit Strom verteilt ein kleiner Ventilator die Luft.
Lüften im Winter
Auch im Winter musst du lüften. An sonnigen Tagen kurz öffnen, damit die Feuchtigkeit hinauskommt. Sonst bildet sich Schimmel. Mehr zum Winter liest du im Ratgeber Gewächshaus heizen.
Beim Kauf auf die Lüftung achten
Die Fensterzahl lässt sich nachträglich kaum ändern. Achte schon beim Kauf darauf. Im Gewächshaus-Finder siehst du, wie viele Fenster jedes Haus hat. Weitere Kriterien findest du in der Kaufberatung, und wie du richtig gießt, steht unter Gewächshaus bewässern.






